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Seit einigen Jahren verbringen meine Frau und ich mit einem befreundeten
Ehepaar aus Koblenz unseren Sommerurlaub auf deutschen Flüssen. Nach
Hochrhein, Mosel, Lahn, Unstrut und Saale war in diesem Jahr mal wieder
die Elbe dran. Da wir die Strecke von Decin nach Torgau bereits gepaddelt
sind, nehmen wir uns in diesem Jahr Torgau–Magdeburg vor.
Dabei werden wir das 800 Jahre alte Anhalt durchqueren. Die Elbe fließt ja
etwas quer durch alle Anhalt-Teile und wir nehmen noch etwas Sachsen-
Anhalt dazu.
Wir bauen unser Zelt beim Torgauer Kanu Club auf und sind gerade fertig,
als ein heftiges Gewitter beginnt. Unsere Koblenzer Freunde sind auch
eingetroffen, wir müssen jedoch zuerst im Vereinshaus warten bis der
Regen zu Ende ist. Die Ausstattung hier ist wirklich sehr gut. Wir können
das Gewitter abwarten. Neben einem Aufenthaltsraum, Toiletten und
Duschen gibt es auch eine Küche mit Frühstücksraum zur Benutzung.
Zimmer können auch gemietet werden. (kanu-torgau.de) Wer unsere Tour
nachfahren möchte kann sich beim Kanu Club ein Boot ausleihen.
Das Gewitter hält lange an und verwehrt uns einen Besuch der Stadt mit
dem Schloss Hartenfels. Zum Glück waren wir bereits einmal in Torgau.
Elbtour

Unser Zelt ist in Torgau bereits aufgebaut und
das Boot liegt daneben als ein starkes Gewitter
beginnt.
Elbtour

So verbringen wir unsere Zeit auf der Elbe. Oft
wird jedoch auch gepaddelt.
Foto: Mareilie Knispel
Elbtour

An einer Buhne finden wir einen schönen
Sandstrand um zu Übernachten.
Elbtour

An der Fähre Dommitzsch–Prettin kann an
einem Bootssteg einfach angelegt werden.
Foto: Mareilie Knispel
Elbtour
Elbtour
Elbtour

Schloss und Schlosskirche Wittenberg
Elbtour

Die Wassersportgemeinschaft Wittenberg
befindet sich am Rechten Ufer kurz vor der
Brücke.
Elbtour

Kirche St. Nicolai. Coswig, Blick zur
Orgelempore.
Elbtour

Wir zelten auf dem Gelände des Kanuverein
Coswig (Anhalt) e. V. Im Hintergrund die Fähre
nach Wörlitz und das Coswiger Schloss.
Elbtour

Da ich keine Abbildungsgenehmigung für das
Dessauer Gartenreich habe, hier ein Bild von
den wunderschönen Seerosen.
Elbtour

Kirche St. Nicolai. Coswig, Blick zum Altar.
An der Seite sind deutlich die barocken
Kirchenlogen zu erkennen.
Elbtour

Die Türen der Spinde aus dem Aluminium-
Riffelblech der Ju 52.
Elbtour

Das Bootshaus der Junkers Paddelgemeinschaft
Dessau e. V. Die Dachkonstruktion ist aus
Aluminiumstreben.
Am nächsten Morgen beginnen wir unsere Fahrt auf der Elbe. Die
Strömung und unsere Paddelbemühungen bringen uns schnell vorwärts.
Die Elbe hat 4 bis 5 Km/h Strömung. Also sollten wir so 10 Kilometer in
der Stunde schaffen. Wir nehmen wir uns Strecken von 25 bis 35 Kilometer
vor, Erholung geht vor. Ab Torgau ist das Elbufer mit den Bäumen der
Weichholzaue wie Weiden und Pappeln bewachsen. Zur Regulierung des
Wasserabflusses reichen Buhnen in das Fahrwasser. Hinter diesen Buhnen
ist keine Strömung, meist auch eine Sandbank, man kann leicht anlegen und
eine Badepause einlegen. In Dommitzsch legen wir am linken Ufer vor der
Fähre an und essen an der Fähre zu Mittag.
Weiter geht es in Richtung Pretzsch. Wir hatten vor, in der Nähe der
Fährhauses zu zelten. Jedoch gibt es zwar einen Anlegesteg, der liegt aber
drei Meter  vom Ufer entfernt. Eine Verbindung gibt es nicht. Auch im
Weiteren gibt es am linken Ufer keine gute Anlegestelle. Es zieht jedoch ein
Gewitter auf und wir finden zum Glück am rechten Ufer hinter einer
Buhne einen Sandstrand zum Übernachten. Es regnet erst bei Einbruch der
Dunkelheit. Lange sitzen wir am „Sandstrand“ und schauen der Elbe beim
fließen zu.
Wasserwandern im Kajak auf der Elbe durch das 800jährige Anhalt, Teil 1, Teil 2 (2012)

Treibholz für ein Lagerfeuer findet sich.
Foto: Mareilie Knispel

Foto: Mareilie Knispel
Am frühen Morgen paddeln wir durch den Bodennebel. Aber schnell
kommt die Sonne heraus. In Elster finden wir eine Möglichkeit die Boote
auf eine Wiese zu ziehen und kommen so zu einem ausgezeichneten
verspäteten Frühstück. Um die Mittagszeit erreichen wir die Lutherstadt
Wittenberg. Wir übernachten bei der Wassersportgemeinschaft Wittenberg
1962 e. V. Die ist leicht zu finden. Am rechten Ufer vor der Elbbrücke
genau hinter der Ruine des VEB Kraftverkehr. Aber die Anlage ist
wunderschön. Dank des hohen Wasserstandes fahren wir einfach auf die
Wiese, auf der wir dann später auch zelten werden. Am Abend kommen
tatsächlich noch andere Wasserwanderer. Wie befahren doch die Elbe ist.
Eine Familie mit zwei kleinen Kindern und zwei RZ 85 Faltbooten wird
hier Ihre Tour beenden. Ich fahre mit dem Zug nach Torgau, um das Auto
nachzuholen. Das sind zwei Stunden über Bitterfeld, Leipzig und
Gräfenhainichen.
Wir haben nun einen Ruhetag für die Kultur. Besichtigt wird Wittenberg,
Lutherhaus, Leucorea und Schlosskirche. Um in die Stadt zu kommen
müssen wir einen Umweg um den Parkplatz des ehemaligen
VEB Kraftverkehr machen, eine große eingezäunte Fläche. Gerade im Zelt
angekommen findet unser heutiges Gewitter statt.
Und weiter geht’s. Die erste Strecke des Tages, vorbei am Wittenberger
Hafen und Pisteritz hat doch einen technischen Charakter. Aber gleich
nach dem Holzkraftwerk übernimmt die Natur die Hoheit. Wir fahren
wieder durch die Auenwälder und erreichen am Kilometer 229 das
Kerngebiet des UNESCO Biosphärenreservats Mittelelbe. Hier bis zur
Saalemündung ist das „wilde“ Anlegen verboten. Am linken Ufer ist die
Aue des Dessau-Wörlitzer Gartenreiches. Heute kommt uns auch mal ein
einsamer Wasserwanderer entgegen. Gegen die Strömung. Er nutzt die
Strömungsverhältnisse zwischen den Buhnen aus um vorwärts zu kommen.
Wir erreichen den Kanuverein-Coswig (Anhalt) e. V. am rechten Ufer
direkt vor der Coswiger Fähre. Hier werden wir freundlich empfangen,
können auf der großen Wiese zelten und die Küche mitbenutzen. Wie
meist, gibt es auch hier günstige Getränke. Am Abend kommt noch ein
weiterer einsamer Wasserwanderer, der sich aber größere Etappen
vorgenommen hat.
Es folgt der nächste Ruhetag. Wir wandern an dem Coswiger Schloss,
welches von Weitem einen besseren Eindruck machte, vorbei und
besuchen die Kirche St. Nicolai. Eine beieindruckende Kirche. Sie geht auf
Ursprünge aus dem 13. Jahrhundert zurück. Imposant sind die barocken
Doppelemporen und der große Altaraufsatz. Ein freundlicher Herr scheint
auf uns gewartet zu haben und gibt uns eine ausführliche Führung. Wie in
Wittenberg, sind auch hier Bildwerke aus der Cranach-Werkstatt
vorhanden. Wäre der Turm nicht in Rekonstruktion, hätten wir den auch
Ersteigen können. Also müssen wir unbedingt später noch mal her.
Wir besuchen auch noch das Dessau-Wörlitzer Gartenreich. Bis zum
Abend bleiben wir hier, durchstreifen den Park, suchen die Blickachsen und
besichtigen das Schloss, den Stein und das englische Haus. In dem schönen
Kanuverein sitzen wir am Abend noch lange am Elbufer.
Heute geht es nach Dessau. Wir paddeln an der Ruine des Kraftwerkes
Vockerode vorbei. Früher haben hier 12 Turbinen 400 Megawatt Strom aus
Braunkohle erzeugt. Heute wirkt das Bauwerk vom Wasser aus immer noch
etwas bedrohlich. Danach passieren wir die Brücke für die A9. Wie viele
Stunden in meinem Leben habe ich auf dieser Brücke im Stau zugebracht?
Zum Glück die letzten Jahre nicht mehr. Durch eine Flußbegradigung sind
es von km 250 bis 252 nur 500 Meter. Dann macht der Fluß eine
Linkskurve, in der sich am linken Ufer eine große Sandbank gebildet hat.
Heute sind überall Schauer unterwegs, uns hat es bisher jedoch noch nicht
getroffen. Am rechten Ufer erreichen wir Roßlau und die Brücke, welche
die Stadt Dessau-Roßlau verbindet. Der Fluß geht in eine Schleife in etwa
5 Kilometern werden wir fast wieder an der gleichen Stelle sein, nur durch
die Industriehäfen von Dessau und Roßlau getrennt. Nach der Mulde-
Mündung fahren wir an den Ruinen des Dessauer Wallwitzhafens vorbei
und erreichen am Leopoldshafen die Junkers Paddelgemeinschaft, wo wir
übernachten werden. Wir finden einen schönen Zeltplatz und ein
imposantes Bootshaus. Viele Teile aus dem Flugzeugbau fanden hier
Verwendung. Nach einer freundlichen Begrüßung wird uns mitgeteilt, dass
unsere Strecke von Coswig (26 km) „sich doch gar nicht lohne“. Sehr
aufbauend. Nach ca. 20 Minuten Fußweg erreichen wir die Meisterhäuser
und das Bauhaus zur Besichtigung. Es sind weitere Wasserwanderer
eingetroffen. Ein älteres Ehepaar aus Hamburg hat sich ein RZ 85 Faltboot
ohne Spritzverdeck gekauft und macht seine erste Tour von Bad Schandau
bis nach Hause. Als Rentner haben Sie genügend Zeit und keine
Zeitvorgaben. Wir wünschen alles Gute.
Elbtour

Wir verlassen Dessau und bereiten uns auf eine
Regenfahrt vor.